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Malerei entdecken, besprechen und selber machen

Autor: amw (Seite 3 von 3)

Verpasste Ausstellung

Nun hätte ich Anfang Januar die Chance gehabt, eine wirklich spannende Ausstellung von Petrit Halilaij im New Museum of Modern Art in New York zu sehen, und was passiert? Ich erfahre erst am Tag vor unserer Rückreise davon und konnte spontan keinen Besuch mehr einschieben. Sehr ärgerlich, und das nicht nur, weil es bei Halilaij auch immer wieder um Vögel geht. Die üben auf mich ja auch eine besondere Faszination aus.

Hier zur Illustration ein Video zu einer Ausstellung in der Bundeskunsthalle 2015 (leider auch verpasst):

Vorsatz für 2018: Nicht mehr so viel verpassen!

Ausstellungstipp zum Jahresende

Wer zwischen den Jahren, oder zu Beginn des neuen Jahres, Kulturluft schnuppern möchte, dem sei diese Ausstellung in der Frankfurter Schirn ans Herz gelegt, deren Bedeutung für die Malerei vielleicht erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird (dann aber deutlich):

Diorama: Erfindung einer Illusion

Dioramen – dreidimensionale Inszenierungen historischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse – waren lange Zeit die Form der Wissensvermittlung und deshalb auch museumspädagogischer Standard (obwohl ihre Wurzeln eigentlich in der Religion zu finden sind: Jede Weihnachtskrippe ist schließlich ein Diorama).

GIF-fixierte und App-abhängige Digitalzyniker mögen zwar beim Anblick eines ausgestopften Albatros vor Meereslandschaft im gläsernen Schaukasten müde lächeln,  für viele Museumsbesucher hat diese Darstellungsform aber unerschütterlichen Charme. Das hängt wahrscheinlich mit der dreidimensionalen Theatralik eines Dioramas zusammen, das den Betrachter einzuladen scheint, in dieser künstlichen Welt zu wandeln.

Ich jedenfalls habe beim Anblick der gemeinen Schneekugel (auch ein Diorama!) immer den dringenden Wunsch, ins Mikroplastikschneegestöber einzutauchen.

Dass bildende Künstler bis heute auf das Prinzip Diorama zurückgreifen, hängt damit zusammen, dass das Format grundlegene ästhetische Fragen aufwirft und beantwortet: Raum und Kontrast, Licht und Schatten, Perspektive und Komposition. Das Diorama ist oft narrativ, bzw. erzählt viele Geschichten auf einmal, hat aber auch viel mit der Collage zu tun – und mit der liebevollen Sammlerwut, die viele Künstler umtreibt, und deren Ergebnisse in Dioramen thematisch geordnet werden können. Und es unterstreicht etwas, was in der konzeptgesteuerten Gegenwartskunst leider allzu oft vergessen wird: Ein Kunstwerk muss auch wirklich wirken.

Sehenswert und inspirierend!

Bis 21.1.2018.

Von wegen grau

Allen, die ihre malerische Praxis mit einer Dosis Kunsttheorie anreichern wollen, sei folgender Klassiker ans Herz gelegt: Ernst Gombrichs Art and Illusion (1960) [dt. Kunst und Illusion (1967)].

Obwohl die Erstveröffentlichung des Buchs schon über 60 Jahre zurückliegt (die Vorlesungsreihe, auf der es beruht, sogar noch ein wenig länger) ist das für einen Kunsthistoriker eigentlich eher ungewöhnliche interdisziplinäre Interesse an einer „Psychologie der bildlichen Darstellung“, das Gombrich in ihm verfolgt, brandaktuell.

Besonders wichtig vor allem für Praktiker ist Gombrichs grundlegender Gedanke, dass bildliche Darstellung ein Kommunikationsakt zwischen Maler und Betrachter ist, der auch auf der Basis suggestiver Fragmente funktionieren kann, und in dem weniger oft mehr ist – eben weil der Mensch mit dem kognitiven Rüstzeug ausgestattet ist, um aus bloßen Anspielungen Sinnzusammenhänge zu schaffen.

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