Wer zwischen den Jahren, oder zu Beginn des neuen Jahres, Kulturluft schnuppern möchte, dem sei diese Ausstellung in der Frankfurter Schirn ans Herz gelegt, deren Bedeutung für die Malerei vielleicht erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird (dann aber deutlich):

Diorama: Erfindung einer Illusion

Dioramen – dreidimensionale Inszenierungen historischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse – waren lange Zeit die Form der Wissensvermittlung und deshalb auch museumspädagogischer Standard (obwohl ihre Wurzeln eigentlich in der Religion zu finden sind: Jede Weihnachtskrippe ist schließlich ein Diorama).

GIF-fixierte und App-abhängige Digitalzyniker mögen zwar beim Anblick eines ausgestopften Albatros vor Meereslandschaft im gläsernen Schaukasten müde lächeln,  für viele Museumsbesucher hat diese Darstellungsform aber unerschütterlichen Charme. Das hängt wahrscheinlich mit der dreidimensionalen Theatralik eines Dioramas zusammen, das den Betrachter einzuladen scheint, in dieser künstlichen Welt zu wandeln.

Ich jedenfalls habe beim Anblick der gemeinen Schneekugel (auch ein Diorama!) immer den dringenden Wunsch, ins Mikroplastikschneegestöber einzutauchen.

Dass bildende Künstler bis heute auf das Prinzip Diorama zurückgreifen, hängt damit zusammen, dass das Format grundlegene ästhetische Fragen aufwirft und beantwortet: Raum und Kontrast, Licht und Schatten, Perspektive und Komposition. Das Diorama ist oft narrativ, bzw. erzählt viele Geschichten auf einmal, hat aber auch viel mit der Collage zu tun – und mit der liebevollen Sammlerwut, die viele Künstler umtreibt, und deren Ergebnisse in Dioramen thematisch geordnet werden können. Und es unterstreicht etwas, was in der konzeptgesteuerten Gegenwartskunst leider allzu oft vergessen wird: Ein Kunstwerk muss auch wirklich wirken.

Sehenswert und inspirierend!

Bis 21.1.2018.